Publikationen

Am kommenden Samstag, 17.02.2024 findet die Vernissage von "People and Bodies", Soloausstellung von Dominic Hartmann im Antonio Wehrli Art Space in Schwanden, Glarus statt.


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An der zweiten Einzelausstellung von Dominic Hartmann werden an den Surrealismus angelegte, witzige und zugleich tragische Kunstwerke gezeigt, die Hartmann in den letzten Jahren erarbeitet hat. Die Kunstwerke beschäftigen sich mit Situationen, das Leben prägen. Die den Moment im Gleichgewicht haltenden Gefühle oder Entscheidungen werden in den Bildern mit einem roten Quadrat dargestellt.



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Der Hoffnungsträger - Aquarell und Collage auf Papier, 30cm x 40cm, 2023
 
Dominic Hartmann zu "Der Hoffnungsträger":

Im obigen Bild wird das Dilemma dargestellt, in welcher sich eine Person hoffnungsvoll auf eine andere Person verlässt. Dies um im Beruf weiter zu kommen oder eine besondere Möglichkeit zu erhalten. Man setzt seine Hoffnung auf jemanden, von dem man glaubt, er würde sich bemühen zu helfen. Der Hoffnungsträger also. Das Problem ist jedoch, dass eine ander Person die Hoffnung nicht tragen kann, weil wir sie selbst haben. So passiert es, dass wir enttäuscht werden. Das Aufschauen zu einer Person, von der wir glauben, sie verändere unser Leben zum Positiven, lässt uns gerne faul werden. Nach dem Motto: Die oder der kümmert sich schon darum, ich brauche bloss zu warten. Diese Illusion kann uns erschlagen, sollte die Hoffnung auf uns zurückfallen, und der vermeintliche Hoffnungsträger fällt ebenfalls, weil wir von diesem enttäuscht sind.

 

An der Ausstellung sind neben den spannenden Aquarell Werken auch die neusten Werke der Serie "Power of Nature" zu entdecken.




Palau, 120cm x 120cm, Acryl auf Leinwand, 2023




Nüschenen, 150cm x 112,5cm, Acryl auf Leinwand, 2022

 

Dem Raum ein Boden

Gruppenausstellung in der Linthkraft Stiftung in Linthal

14. Mai 2023


Die Linthkraft Stiftung zeigt eine Gruppenausstellung, die mehrheitlich von Glarner Kunstschaffenden bestritten wird. Die Arbeiten werden auf 12 Inseln präsentiert und sind vor allem informelle oder abstrakte Werke. Ein Besuch der unkonventionellen Präsentation der Werke lohnt sich, Gelegenheit dazu gibt es am 20. und 21. Mai.

Dominic Hartmann Der Künstler hat mit seinen Kolleginnen und Kollegen eine harmonische Asstellung gestaltet, die mit einer unkonventionellen Raumgestaltung besticht. Die Bilder der verschiedenen Kunstschaffenden sind in Gruppen zusammen gebracht und am Boden ausgebreitet. „Dem Raum ein Boden“ wird als Titel der Ausstellung sofort verständlich. Die unterschiedlichen Kunstschaffenden ergänzen sich mit ihren malerischen Arbeiten ausgezeichnet. Eine Kooperation, die gelungen ist. Die Künstler:innen pflegen die informelle Kunst, welche auch an Abstraktionen anknüpft. Das verbindende Element der Arbeiten sind Farben und Formen, die teilweise extensiv aufgetragen oder sehr zurückhaltend gestaltet sind. Die 12 gestalteten Inseln, mit zusammen gehörenden und harmonierenden  Arbeiten der verschiedenen Kunstschaffenden können, mit Hilfe einer Dokumentation, auf die individuellen Arbeiten rückverfolgt werden.



Glarner Kulturblog

Kunst am Bau von Dominic Hartmann in Linthal

13. Mai 2023


„Stairs art“ ist eine Wandmalerei in der Linthkraft Stiftung in Linthal, realisiert von Dominic Hartmann. Am 13. Mai ist das Werk der Öffentlichkeit gezeigt worden. Am Wochenende vom 20. und 21. finden nochmals zwei öffentliche Besichtigungen statt, weitere Termine sind auf Anfrage möglich.

Die Feinspinnerei und -weberei ist 1852 von den Gebrüdern Becker aus Ennenda gegründet worden. 1901 entstand die Firma Edmund Bebié, die bis 1998 Strickgarn herstellte. Heute ist die Stiftung Linthkraft Besitzer des Gebäudes.

Dominic Hartmann hat an seinem Atelierort das Thema Weberei und Stofffärberei aufgegriffen und das grosse Treppenhaus mit Wandmalerei bestückt. Die künstlerische Umsetzung setzt beim Material an. Bei den Stoffen sind einzelne Fäden in Bahnen und gerade Linien erkennbar. Dieser Aspekt ist beim Werk von Dominic Hartmann  bildnerisch umgesetzt. Die schwarz dominierenden Linien im Treppenhaus stehen sinnbildlich für die erwähnten Fäden. Das Werk heisst „verwobene Farben“, was in der Art der Malerei mit prägnanten Farben  sehr gut nachvollzogen werden kann. Farbige Welten werden eröffnet.

Ein Wirrwar aus Stoffasern und Farbpigmenten lassen abstrakt erscheinende Bilder ohne klare Struktur sichtbar werden. Mikroskopischen Einblicke in die Stoffe sind vom Künstler als abstrakte Bilder in die schwarze Linienstruktur eingesetzt. Eine Reise entlang der Fäden und Stoffbahnen, gespickt mit Einblicken in die faszinierende Welt des Mikrokosmos von gewobenen Stoffen wird von Dominic Hartmann in seiner typischen Malerei umgesetzt.


Dominic Hartmann hat das grosse Treppenhaus zu den Ausstellungsräumen mit abstrakter oder informeller Wandmalerei gestaltet. Die Wandmalereien sind in die Umgebung der Wände und Treppen passend integriert. Es bestechen  vor allem die frischen Farben und die sorgfältig gewählten Formen, die dem Treppenhaus eine spezielle Anmutung geben. Der Künstler verwendet in seiner Arbeit unterschiedliche und unkonventionelle Techniken. Beispielsweise malt er mit Farben und  Steinen oder drückt Gräser und Blumen, die in Farbe getaucht sind, auf die Wand. Auch der Pinsel wird verwendet. Für die künstlerische Gestaltung wählt der Künstler unkonventionelle Techniken. Symbole aus der Natur oder aus persönlichen Erinnerungen finden ihre Anwendung. Das Besteigen der Treppen fällt den Betrachtern:innen leichter, weil sie von den Farben getragen werden. Ein Besuch im Treppenhaus lohnt sich.

Eduard Hauser

Besuch im Atelier beim Glarner Künstler Dominic Hartmann

12. März 2023


Dominic Hartmann, Gewinner des Publikumspreises von "Kunstschaffen 2022", arbeitet in einem alten Fabrikgebäude in Linthal. Wie seine Kunst entsteht, wie er vorgeht und welche Rolle die Präzision dabei spielt, offenbart ein Besuch in seinem Atelier - schon der Blick aus dem grossen Fenster verspricht Inspiration.

Das Atelier bietet eine eindrückliche Sicht auf die Bergwelt der Glarner Alpen im Hinterland. Der Blick aus dem grossen Fenster ist ein Bild aus der Natur, das für einen Kunstschaffenden Inspiration bietet.


Ein grosszügiger, mit Licht durchfluteter Raum kommt dem Besucher entgegen und löst eine angenehme Atmosphäre aus, die für den Künstler gute Voraussetzungen für kreatives Arbeiten bietet. Das angenehme Klima im Raum wird mit einer schmucken und funktionalen Einrichtung ergänzt. Dominic Hartmann fühlt sich in diesem Raum wohl und setzt sich in den klassichen Sessel zum Gespräch.

An einer Wand wird der Beginn der künstlerischen Arbeit mit einer abstrakten Malerei sichtbar. Die Arbeit zeigt den Lebensweg des Künstlers auf und spricht von Rahmenbedingungen und Voraussetzungen, die das Leben von einem Menschen abverlangen kann. Der Autismus des Künstlers handelt von Schwierigkeiten in der sozialen Entwicklung eines Menschen. Bei Dominic Hartmann zeigt sich, dass diese Entwicklung in einer intensiven künstlerischen Laufbahn Platz gefunden hat.

Das Gespräch zeigt auf, dass die abstrakte Kunst bei den Betrachtern oft wenig Verständnis auslöst und als schwierig gilt. Die Reduktion auf das Wesentliche wird als schwer durchschaubar geschildert. Die Kunst kennt die Form des Abstrakten erst seit rund einhundert Jahren. Eigentlich nicht weiter verwunderlich, dass diese Kunstform schwierig nachzuvollziehen ist.

Das Bild des Publikumspreises sticht sofort ins Auge. Nur schon die Dimension ist sehr grosszügig. Dominic Hartmann hat an der Ausstellung nur mit zögern teilgenommen. Er verschweigt aber nicht, dass er den Preis unbedingt gewinnen wollte. Nach der Ausstellung hat er sich im Atelier an den Schreibtisch gesetzt und die Rede des Preisgewinners geschrieben. Eine Prophezeiung, die sich erfüllt hat. Das Werk baut auf der Grundüberzeugung „Power of Nature“ auf und bindet sofort das Interesse der Betrachter, weil die Farben und Formen einerseits Pflanzen erkennen lassen und andererseits der blaue Hintergrund sofort gedankliche Verbindungen an das Meer und die Tiefe der See auslöst. Für den Künstler ist das Bild eine Mischform zwischen Abstraktion und Figuration. Das Bild einer Arbeit entsteht jeweilen mit dem Kontakt in der Natur, unabhängig vom Ort des Geschehens. Bei diesem Beispiel standen die Fauna und Gräser im Hintergrund. Sie haben die Ausarbeitung auf der Leinwand wesentlich beeinflusst.


Dominic Hartmann verwendet in seiner Arbeit ganz unterschiedliche und unkonventionelle Techniken. Ein Beispiel ist die Malerei mit Steinen. Ein Stein wird mit Farbe überzogen und anschliessend auf die Leinwand gedrückt. Gräser und Blumen werden in die Farbe getaucht und anschliessend auf die Leinwand geworfen. Der Pinsel kommt auch zur Anwendung, aber die Offenheit für alternative Werkzeuge ist für die künstlerische Gestaltung wichtig. Man kann von einer unkonventionellen, raffinierten Technik sprechen, die zur Anwendung im künstlerischen Prozess kommt. Symbole aus der Natur oder aus Feierlichkeiten wählt der Künstler für einen Feiertag. Beispielsweise erinnert er sich gerne an den grossen Weihnachtsbaum in der Kindheit. Da dieser Baum nicht mehr vorhanden ist, greift der Künstler das Symbol der Kerze auf und bringt diese in einen kunstvollen Zusammenhang. Das entstandene Bild wird an Weihnachten in der Familie an die Wand gehängt. Die gezeigte Auswahl an neuen, abstrakten Arbeiten beinhalten Symbole wie der Anker im Leben oder die Balance für ein Leben zwischen Anforderungen und Zufriedenheit. Bei Dominic Hartmann spielen diese Arbeiten eine wichtige Rolle zur Verarbeitung von früheren Erfahrungen. Auffallend sind auch, die Ordnung im Atelier und die Präzision bei den Arbeiten. Die Schritte für die Erstellung eines Kunstwerks sind genau geplant. Von Spuren auf dem Fussboden, welche die Malerei hinterlässt ist nichts zu sehen. Diese Ordungsliebe ist verbunden mit der schöpferischen Kraft. Zwei Pole, die einander gegenüber stehen, aber immer wieder zu einem Gleichgewicht gebracht werden.

Ich habe in einem Atelier einen Künstler angetroffen, der sehr gute Voraussetzung für seine Arbeit antrifft. Er hat einen Weg vor sich, der mit Potenzial für Anerkennung des Schaffens verbunden ist.

Eduard Hauser


Publikumspreis für Dominic Hartmann


Der Publikumspreis geht dieses Jahr an Dominic Hartmann. Das Publikum hat für seine grossformatige Arbeit „Eskapismus“ am meisten Stimmen in die Urne gelegt. Die Besucher haben gut entschieden. Als Blogger kann man sich natürlich fragen, welche Kriterien für Kunst gelten können. Ästhetik des Werks, Inhalt und Sinngebung, professionelle Technik oder Kreativität könnten solche Merkmale sein. Dominic überzeugt mit seinem figurativen Expressionismus der eine spektakuläre Landschaft zeigt. in all diesen Punkten,  Die Motive auf der Leinwand entstehen mit einer Technik, die aussergewöhnlich ist. Blätter werden in Farbe getüncht und anschliessend  auf die Leinwand geworfen. Es sind Bilder mit intensiver Lebendigkeit entstanden.  Die Betrachter/innen können mit dem präsentierten Bild in eine Welt der Lebensfreude und Träumerei eintauchen. Eine Welt, die heute in Gefahr ist, dass sie durch die Zerstörung der Natur, grossen Schaden erleiden könnte. Schon im Januar 2022 hat Dominic, in der Galerie Antonio Wehrli in Schwanden, mit seinen Arbeiten „Power of Nature“ mehr als überzeugt. Dem Newcomer Dominic Hartmann kann ich zu seiner extensiven Arbeit gratulieren und für seinen weiteren Weg als Künstler alles Gute wünschen.

Kulturblog Glarus
Eduard Hauser 30.01.2023

Kunsthaus Glarus – Publikumspreis geht an Dominic Hartmann

Mit dem Titel «Kunstschaffen Glarus 2022 (A–L) begann für etwas mehr als 40 Kunstschaffende im Dezember die erfreulich stark besuchte Ausstellung im Kunsthaus Glarus. Sie dauert noch bis zum 5. Februar. Unter der Vielzahl der Werke wählte das Publikum das mit «Eskapismus» betitelte, im vergangenen Jahr entstandene, grossflächige Werk von Dominic Hartmann aus. Der von der glarnerSach gespendete Preis wurde ihm kürzlich überreicht.

Dominic Hartmanns Gemälde hängt im Oberlichtsaal des Kunsthauses. Es beinhaltet eine an Farben reichhaltige Fülle von Naturnahem, fast überbordende Botschaften, die zum Innehalten, intensiven Betrachten, zum Aufnehmen mannigfaltiger Eindrücke einladen. Man wähnt sich inmitten einer beeindruckenden Leichtigkeit von der Natur vorgegebenen und dem Künstler inhaltsstark umgesetzten Details. Es ist ein wildes, kräftiges Blühen, ein Verweben farbenreicher Pflanzen ist entstanden.

Anlässlich der Preisübergabe äusserte sich Dominic Hartmann zu seinem Schaffen. Für ihn sei nicht nur wichtig, was er erschaffe, sondern was es im Betrachter zu erschaffen vermöge.
Im Jahre 1984 in Zürich geboren, lud er vor Jahresfrist zu seiner Soloausstellung «Power of Nature» im Antonio Wehrli Art Space /Glarus ein. In Linthal hat er sich ein neues Atelier aufgebaut. An sich stellt er hohe Anforderungen. Es beanspruchte einige Jahre, bis er sein Schaffen einem grösseren Bekanntenkreis vorstellte. Hin und wieder zieht er sich zurück, malt und gestaltet im Alleinsein, was ein durchaus begreiflicher Teil seines Gestaltens und Auseinandersetzens ist. Er arbeitet mit fast allen Farben. Die meisten Werke entstehen in Acryl.

Melanie Ohnemus ist Direktorin des Kunsthauses Glarus. Sie würdigte das Schaffen des Preisträgers und zeigte auf, wie seine Werke entstehen, wo sie ihn erstmals kennengelernt hat. Sie zeigte sich zu Recht beeindruckt und drückte ihre Wertschätzung aus. In ihren Dank bezog sie alle ein, die beim Zustandekommen der Ausstellung Massgebendes beigetragen haben.

Heidi Luchsinger überreichte den Preis der glarnerSach.
Es wurde beim Bild verharrt, bevor man sich zum Gedankenaustausch und dem Verweilen im Eingangsbereich zusammenfand.


Peter Meier Glarus24


Gruppenausstellung


Dominic Hartmanns
Arbeiten befassen sich mit der Natur. Der menschliche Umgang mit der Natur wird immer häufiger zum Gegenstand der Kritik. Aktuell werden wieder Fragen zum Rückgang der Biodiversität geführt. Da setzt Dominic Hartmanns Werk ein. Er hat bei Antonio Wehrli 2022 schon Werke gezeigt, die das Thema „Power of Nature“ aufgenommen haben. Die Arbeiten folgen dem figurativen Expressionismus.  Es wird spürbar, dass sich der Künstler schon früh am Schönen mit Interesse genähert hat. Seine autistische Veranlagung hat nicht nur einen starken Selbstbezug, sondern auch eine starke, kritische Haltung zu seinen Arbeiten im Hintergrund. Die Arbeiten zur Natur sind in der Kunst mit dem Prinzip der Zerstörung verbunden, weil aus dem Zerstörten Neues und Innovatives wachsen kann. Der Künstler zeigt bei der aktuellen Ausstellung eine andere, ergänzende Seite seines Könnens. Es sind grafisch-abstrakte Kompositionen, die durch ihre Einfachheit und
Farbigkeit eine starke Wirkung auslösen.

Solo Ausstellung

Glarner Agenda Kulturblog vom 24. Januar 2022

Aktuell zeigt Antonio Wehrli im Art Space den Newcomer Dominic Hartmann zu: „Power of Nature“. In seiner ersten Ausstellung mit Fokus Wiesen und Meer wagt sich der Künstler mit einer autistischen Veranlagung an eine anspruchsvolle Aufgabe - und eine aussergewöhnliche Technik.

Natur – „natura“ im Lateinischen – heisst „entstehen oder geboren werden“. Wenn sich ein Künstler mit der Natur und der Kraft in der Natur auseinandersetzt ist es sinnvoll, in der Geschichte nachzuschauen, wie sich der Zugang zur Natur verändert hat.

https://youtu.be/xYYSuSIuTSY


In der westlichen Kulturgeschichte galt die Natur als „Feind“ des Menschen, weil sie Angst einflössend verstanden worden ist, voller Gefahren und Bedrohungen. Auch heute kommt man an diesem Verständnis nicht vorbei, wenn wir die Unwetter, Waldbrände oder Vulkanausbrüche der Neuzeit betrachten. Im Lauf der Aufklärung entstand die „Verklärung der Natur“ in der Gesellschaft. Sie wurde jetzt als Vorbild für Ästhetik und Harmonie betrachtet. Die Rolle des Menschen verlagerte sich von „über“ zu „neben“ der Natur stehend. Im umgangssprachlichen Gebrauch verwenden wir Ausdrücke wie „es liegt in der Natur der Sache“ oder „das ist von der Natur“ gegeben. Der Begriff „natürlich“ meint „selbstverständlich“. Das bedeutet, dass in der Sprache eine Abhängigkeit von der Natur angedeutet wird, oder dass etwas als definitiv gilt.  Die Ästhetik oder Harmonie hat sich im Verständnis der Natur auch im Kunstschaffen niedergeschlagen. Arbeiten von Turner, oder zeitgenössische Künstler wie der Fotograf Andreas Gursky, Jeff Koons, Gerhard Richter, Georgia O`Keeffe und andere Künstler legen darüber Zeugnis ab.


Mensch als Störgrösse

Mit der Umweltbewegung im 20-igsten Jahrhundert hat der Mensch immer mehr die Rolle einer „Störgrösse“ übernommen. Der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung schreibt: „Natur wird als Begriff für die Ordnungsmuster hochkomplexer Gefüge von Wechselwirkungen ökologischer Systeme und als Ergebnis konfliktträchtiger Evolutionsprozesse betrachtet. Die Natur schlägt da zurück, wo die Gesetzmässigkeiten der Natur missachtet oder ihre Ökosysteme zerstört und ihre Ressourcen geplündert werden. Für einfache Versöhnungs- und Harmoniemodelle gibt es keinen Anlass“. Diese Aussage kann jeder heute nachvollziehen, weil die Natur nicht als unser Kapital sondern als Rendite betrachtet wird.

Umgang mit der Natur
Natur bezeichnet in der westlichen Welt im Allgemeinen das, was nicht vom Menschen geschaffen worden ist, im Gegensatz zur Kultur, die alle Werte, die vom Menschen geschaffen worden sind, umfasst. Der menschliche Umgang mit der Natur wird immer häufiger zum Gegenstand einer Kritik an der Kultur oder an Gesellschaftssystemen. Natur wird zur menschlichen Existenz in Beziehung gesetzt. Dieses Verhältnis ist durch emotionale, ästhetische und religiös wertende Einstellungen bestimmt. Der Mensch hat die Natur nicht gemacht. Es ist unvernünftig, Dinge, die der Mensch nicht gemacht hat, nicht machen und nicht neu erschaffen kann, so zu behandeln wie Dinge, die er selbst gemacht hat. Die Ausrichtung der Kultur oder des Kunstschaffens hat da einen grossen Spielraum, der von Kunstschaffenden genutzt wird.

Gegenüber den Elementen
Der Mensch sieht sich den Elementen gegenüber gestellt; Wasser, Luft, Erde und Feuer sind diese Elemente. Luft gilt als „warm und feucht“, Feuer als „warm und trocken“, Wasser als „kalt und feucht“ und Erde als „kalt und trocken“. Im Kontext der Elemente sind menschliche Temperamente formuliert worden. Mit der Luft steht der lebhafte Sanguiniker, mit dem Feuer der erregbare Choleriker, mit dem Wasser der gleichmütige Melancholiker und mit der Erde der in sich gekehrte Phlegmatiker in Verbindung. So wechseln sich leichtblütige, heissblütige, träge oder schwermütige Charaktermerkmale ab. Selbst Farben werden den Temperamenten zugeordnet. „Gelb“ steht für das sanguinische Temperament, „rot“ für das cholerische Temperament, „blau“ für das melancholische Temperament und „grün“ für das phlegmatische Temperament. „Rot“ wird mit dem Element Feuer, „gelb“ mit dem Element Luft, „grün“ mit dem Element Erde und „blau“ mit dem Element Wasser in Verbindung gesetzt. Die Grundfarben können gemischt sein, so dass differenzierte Temperamentsformen möglich werden.

Interessiert an allem Schönen
Der Künstler Dominic Hartmann, geboren 1984, stellt sich bei seiner ersten Ausstellung in einer Galerie mit dem Thema „Power of Nature“ einer anspruchsvollen Aufgabe. Der Künstler war schon als Kind an allem Schönen interessiert. Seine autistische Veranlagung hat nicht nur einen starken Selbstbezug, sondern auch eine starke, kritische Haltung zu seinen Arbeiten im Hintergrund. Seine fotorealistischen Arbeiten von 2005 hat er weitgehend zerstört. In der Kunst ist das Prinzip der „Zerstörung“ bekannt, weil aus dem Zerstörten Neues oder Innovatives wachsen kann. Bisher hat Dominic Hartmann seine Arbeiten nur einem kleinen Kreis von Bekannten gezeigt. Der Verkauf von Arbeiten hat ihn dazu ermutigt einen ersten Schritt in eine breitere Öffentlichkeit zu machen, was mit der Ausstellung bei Antonio Wehrli Art Space in Schwanden nun auch geschieht.

Übers Leintuch tanzen

Seine Arbeiten können dem figurativen Expressionismus zugeordnet werden. Sein Arbeitsstil beschreibt er wie folgt: „Frustriert vom Versuch ein Blatt auf die Leinwand zu malen, verfiel ich in Wut und Trauer zugleich. Wie plump der Versuch und lächerlich. In meinem Zorn entriss ich meiner Zimmerpflanze, die als Vorlage dienen sollte, einen Büschel Blätter, zog ihn durch die Farben und schlug ihn gegen die Leiwand. Verwirrt und glücklich, erstaunt über das, was ich sah, diese Lebendigkeit, diese Perfektion, diese Kraft das von dem entstandenen Muster ausging, als würde es schweben und aus der Leinwand wachsen. Ich ging schnell hinaus und suchte allerlei Materialen zusammen, um zu helfen, dass die Betrachterinnen und Betrachter über das Leintuch tanzen können“.

Die Exponate an der Ausstellung sind vornehmlich in den Farben „rot“, „blau“ und „grün“ gehalten. Der Fokus der Natur richtet sich vor allem auf Wiesen oder auf das Meer. Titel wie „Waldrand“, „Deep See“, „Plankton“ oder „Mohnfeld“ sind Beispiele. Speziell bei den Arbeiten ist die verwendete Machart und Technik. Pflanzen und andere Objekte sind nicht mit dem Pinsel gemalt. Die Objekte aus der Natur werden, getüncht in Farbe, auf die Leinwand geworfen oder gepresst. Gemalt ist lediglich der Hintergrund. Mit dieser Art „Malerei“ entsteht eine grosse Vielfalt von Formen, die im Hintergrund auf Geschichten des Künstlers aufbauen. Mit dem Eintauchen in eine direkte Beleuchtung entstehen auf den Bildern dreidimensionale Eindrücke und die Farbigkeit reagiert, in Abhängigkeit des Lichts, auf einem Spektrum von sanft bis aufdringlich.  Die Geschichten sind Phantasieprodukte, die auf Vorstellungen oder Träumereien basieren. Damit erreicht der Künstler einen Zugang zu seinem Unbewussten. Dieser Zugang erfolgt intuitiv. Kalkulierte Momente in den Darstellungen werden nicht sichtbar.

Geschichten sind für den Künstler sehr zentral. Sie knüpfen an Erlebtes und Gedachtes an, haben irgendwo in der Vorstellungskraft einen Beginn und enden irgendwann. Es ist der Prozess des Arbeitens, der wichtig für das Endprodukt ist. Der Künstler versucht in dieser Art die Komplexität der Natur und der Gesellschaft einzufangen. Bei einer Arbeit versucht sich Dominic Hartmann mit der Abstraktion. Er hat dazu seine eigene Lebensgeschichte vom Anfang bis zum heutigen Standort gewählt. Ein markanter, blau gemalter Rahmen umfasst die Stationen des Lebens. Der Riegel steht für die Normen in der Gesellschaft, die einen Rahmen für das Zusammenleben bilden, aber auch individuelle Freiheiten beschränken können. Die Kunst geht in seinen Darstellungen immer wieder an die Grenzen des Normativen, stellt diese in Frage und erhebt Anspruch auf individuelle Freiheit.

Eduard Hauser

https://youtu.be/xYYSuSIuTSY